Referent
Komponist
Autor
Sprecher
Kontakt
Willkommen...

...auf meiner Homepage! Als kleinen "Gruß aus der literarischen Hexenküche" werde ich an dieser Stelle in unregelmäßigen Abständen mehr oder weniger ernst gemeinte Betrachtungen zum Zeitgeschehen veröffentlichen. Viel Spaß dabei!

Tourismus

Bozen, Juni 2017, Wetterlage: undefiniert bis regnerisch. Also genau jene Wetterlage, die Besucher unseres schönen Landes zu einem kurzen Abstecher in die Landeshauptstadt animiert. Aus unerfindlichen Gründen entschließe ich mich trotzdem dazu, in der Altstadt einkaufen zu gehen, was angesichts des Touristenstroms eine an sich schon mutige Entscheidung darstellt. Als ich nun so an der Kasse eines Geschäfts stehe höre ich, wie die Verkäuferin mit ihrer Kollegin dialektal konversiert, weshalb ich mich natürlich auch gleich als Eingeborener outen will und ein herzhaftes „Schian Nommitog“ von mir gebe. Mit Blick auf meine Ware antwortet mir die Dame hingegen in etwas holprigem Italienisch mit: „Tutto kwesto?“...
Es muss wohl an meinem Aussehen liegen. 1,83 m groß, eine Hautfarbe wie Graf Dracula persönlich, helle Augen und gräulich blonde Haare, da kann es schon passieren, dass man mit einem Sizilianer verwechselt wird.
Wie dem auch sei, ich bleibe stur und sage „Jo, des tat i olls mitnemman“…aber wahrscheinlich klingt irgendetwas an meinem Mutterdialekt befremdlich, denn die Dame kommt mir jetzt mit jenem wunderbaren Idiom, welches in weiten Teilen nördlich von Kiefersfelden gesprochen wird und von unseren Vorvätern nicht „hochdeutsch“, sondern „piefchinesisch“ genannt wurde: „Habn Sie vielleicht unsere Fidelity-Card, weil dann wär‘s billiger, nö?“ Ich weiß, es gibt Momente, in denen sollte man einfach nur lächeln und still sein…aber dieser Moment ist nicht jetzt. „Na, a settans Gummikundenkartl hobs mer bis iatz nou net ummerwochsn lossn, na sett a Pech…porzellana“, höre ich mich sagen. Und endlich hat sie’s kapiert: „Na entschuldigen’s, ober Sie sein heint der erschte einheimische Kunde…“
Aber Spaß beiseite. Es ist mir durchaus bewusst, dass uns der Tourismus materiellen Wohlstand bringt. Aber ein bisschen traurig stimmt es mich schon, wenn ich zusehen muss, wie gerade die Bozner Altstadt immer mehr zum Freiluft-Museum für Touristen mutiert. Denn zwischen Gastfreundschaft und Ausverkauf gibt es (noch) einen Unterschied – und der ist weder klein, noch fein.